Die Sache mit den blinden Fischen

  • Und wieder war ein Messebesuch zu Ende und wieder gab es die üblichen Kommentare zum Einsatz von Blitzlicht bei der Aquarienfotografie.

    Sucht man zum Thema Blitzlicht beim Fische Fotografieren im Internet, wird man überhäuft mit Links zu teils sehr emotional geführten Diskussionen in diversen Foren.

    Von "es interessiert die Tiere kein Stück", bis zu "die fallen tot um" mit entsprechenden blumigen Ausschweifungen ist alles dabei.

    Wirklich fundierte Erkenntnisse werden aber nicht gefunden und man ist nach der Lektüre der diversen Einträge genauso schlau wie vorher.

    Wozu eigentlich Blitzen?

    Die Frage ist nicht ganz unberechtigt und recht einfach zu beantworten. Zum Fotografieren braucht man Licht und bei sich bewegenden Objekten,
    wie in der Aquarienfotografie die Fische, braucht man mehr Licht, als beim Ablichten eines Stillebens.
    Damit der sich bewegende Fisch scharf auf das Foto gebannt werden kann, muss eine relativ kurze Belichtungszeit gewählt werden.
    Daraus resultiert, dass man entsprechendes Licht hat, oder alternativ den ISO Wert entsprechend hoch dreht.
    Hohe ISO Werte bedingen aber oft, je nach Kameramodel, ein entsprechendes Rauschen, welches die Qualität des Fotos schmälert.

    Durch den Einsatz des Blitzlichtes kann man kurzfristig die Lichtintensität deutlich erhöhen und mit entsprechend kurzen Belichtungszeiten die Bewegungen der Tiere "einfrieren".

    Blitzen ja/nein

    Das muss jeder Fotograf für sich, seine Ansprüche und seinen persönlichen Stil selber wissen und ausprobieren.

    Da ich schon einige Jahre meinen Fischen mit dem Fotoaparat auf die Schuppen rücke und auch den oder die Blitze dafür einsetze, kann ich nur aus meiner eigenen Erfahrung sprechen.
    Bei mir gab und gibt es keine blinden Fische und es ist auch noch kein Fisch im Anschluß an eine Fotosession tot umgefallen.

    Es gibt allerdings bei Lebewesen, um die es sich bei Fischen ja handelt, durchaus Unterschiede in der Reaktion auf das Blitzlicht.

    Der überwiegende Teil der Fische zeigt überhaupt keine Reaktion und benimmt sich vor und nach dem Blitz völlig gleich.
    Einige Tiere, vor allem Neuzugänge, die es noch nicht kennen, zucken beim ersten Mal kurz und das war es auch schon.

    Es gibt aber auch schreckhafte Tiere, die in Panik davon springen. Selbstredend, dass dann die Fotosession für diese Tiere vorbei ist.

    In der Regel gibt sich dieses Verhalten mit der Zeit und wenn nicht, dann gibt es zumindest bei mir, keine weiteren Fotos von diesen Fischen.

    Blitzlichtgewitter oder was?

    Ein regelrechtes Blitzlichtgewitter gibt es bei mir ebenfalls nicht. Dazu ist meine Ausrüstung auch nicht geeignet.
    Normalerweise packe ich einen oder zwei System-Blitze oben auf das Aquarium drauf. Am Besten so, dass sie nicht ins Wasser fallen können
    und diese Blitze werden vom internen Kamerablitz, der entsprechend gedimmt ist, angesteuert.

    Da die Blitze nach einem Schuß immer einige Sekunden benötigen, um wieder einsatzbereit zu sein und auch ich einige Zeit benötige mir ein neues Ziel zu suchen

    und dieses entsprechend zu fokussieren, vergehen da schon mal Minuten zwischen den einzelnen Blitzen.

    Auch gibt es inzwischen bei mir keine elend langen Sessions mehr und die ganze Sache dauert selten länger als 20 bis 30 Minuten,
    in denen ich dann so 20 bis 30 Fotos gemacht habe.

    Empathie hilft

    Auch bei der Fischfotografie, wie bei allen anderen Tieren auch, gilt es die Models und ihre Befindlichkeiten im Auge zu behalten.
    Wenn die Models keine Lust haben, dann ist das halt eben so und dann sollte man es auch gut sein lassen.
    Ich habe schon sehr oft mein ganzes Geraffel aufgebaut und nach einigen Fotos alles wieder weg gepackt,

    weil die Herrschaften einfach nicht mit machen wollten.

    An anderen Tagen funktioniert es dagegen hervorragend und wenn man als Fotograf ganz viel Glück hat,

    dann ist mindestens einer in "Poserlaune" und macht richtig toll mit.

    Und ja, auch bei Fischen gibt es sie, die geborenen Poser, die sich richtig gut in Position bringen und regelrecht vor und mit der Kamera posieren.

    Ansonsten sollte man nie vergessen, dass es sich um Lebewesen handelt, die mit dem entsprechenden Respekt zu behandeln sind.

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